Färben und Farben
Das Färben von Kleidung war und ist ein vielseitiges Handwerk und eine Kunst mit langer Geschichte. Weltweit haben sich unterschiedliche Färbemittel und Färbetechniken entwickelt. Ungezählte Farben entstanden aus traditionell verwendeten Rohstoffen wie Mineralien, Pflanzen und Pilzen (Fotos unten). Entscheidend für Farbtöne ist die Aufbereitung und Extraktion dieser Rohstoffe. Aber auch die richtige Vorbereitung der Garne und Stoffe, gefolgt vom eigentlichen Färbebad bis zur Nachbehandlung waren ausgeklügelt. Ohne diese vielfach erprobten Verfahren würden die Farben gar nicht dauerhaft halten.

Natürliche Farbstoffe und Färbemittel
Färbemittel aus Pilzen können in allen Farben gewonnen werden, genauso wie Farben aus unterschiedlichen Pflanzenteilen. Schon aus einer Färberpflanze konnten viele verschiedene Farben erzeugt werden. Rinden der selben Pflanze färben oft anders als Wurzeln. Früchte anders als Blätter. Blüten ergeben andere Farben als Samen.
Die benötigte Menge dieser Naturprodukte um weltweit so viel Kleidung einzufärben ist jedoch gewaltig. Die Verwendung von Resten oder Küchenabfällen wie Schalen von Walnuss, Zwiebel, Rote Bete, Mango und Avocado, Trester aus der Saftpresse aber auch Kaffeesatz und Tee sind sowohl privat als auch großtechnisch weitere ergiebige und bunte Möglichkeiten.
Färbebad
Bei Pilzen wie auch bei allen anderen Naturfarben kommt es aber auch auf die Methode der Farbgewinnung an. Sehr wichtig ist der pH-Wert des Wassers beziehungsweise des Färbebades. Die genaue Einstellung - ob sauer oder basisch - geht mit Essig oder mit Soda. Schon kleine Unterschiede im pH-Wert verändern die Farbe stark. Entscheidend für kräftige Farben ist viel Farbextrakt. Die gute Zerkleinerung der geernteten Pflanzen und Pilze, zwecks vollständiger Extraktion ist deswegen sehr wichtig. Wie beim Aufbrühen von Tee entscheidet die Einweichzeit und die Temperatur mit.
Das Beispiel Indigo - die Küperei
Die Extraktion des Farbstoffs - bei blau färbenden Pflanzen des Indicans - erfordert noch mehr. Erst das Trocknen an der Luft, die Oxidation mit Sauerstoff, macht die Farbe: das intensive Indigoblau musste man erst langsam aus Gelb über Grün Blaumachen. Das hieß: Eingefärbte Textilien wurden zwecks Zutritt von Sauerstoff an der Luft geschlagen. Oft geschah das am Blauen Montag.
Davor muss der Indigo oder der Färberwaid allerdings erst fermentiert werden. Früher ließ man die Pflanzen in Gruben mit Wasser und unter Zusatz von Urin vergären. Die so gewonnene Farbe konnte als Pulver in Blöcken getrocknet werden.
In die Färbebäder kamen neben dem Farbstoff noch Natronlauge und ein Lösungsmittel. Man spricht von Küpenfarbstoffen und Küpenfärberei. Es laufen bei der Färberei also biologische und chemische Prozesse ab.
Die Beize
Große Farbunterschiede erzielt man auch mit unterschiedlichen Vorbehandlungen der Textilien. Man nennt diese Vorbereitung Beizen oder Gerben. Auch Beizmittel und Gerbstoffe können auf natürliche Weise hergestellt werden. Weinstein entsteht bei der Lagerung von Wein und ist ein Kalium-Salz der Weinsäure. Alaun ist ein natürliches schwefelsaures Aluminiumsalz. Grünsalz beziehungsweise Eisenvitriol oder Eisen (II) Sulfat ist ein weiteres natürliches Mineral. Gebeizt wird in heißem Wasser und es ergeben sich aufnahmefähige Textiloberflächen. Je nach angewendetem Beizmittel werden danach im Färbebad unterschiedliche Farben erzeugt.
Und was folgt daraus?
Dunkle Farben sind schwieriger als helle, leuchtende schwieriger als blasse. Dauerhafte Farben, die viele Waschgänge überstehen, oder wie Teppiche Jahre und Jahrzehnte dem Licht ausgesetzt sind, ohne zu verblassen, brauchen genaue Rezepte und sorgfältige Verarbeitungsschritte. In all dem steckt viel Wissen und viel Erfahrung seit Jahrhunderten.
Bis heute machen viele neue Möglichkeiten und neuartige Farben das Färben zu einer Wissenschaft. Eigentlich sind viele Wissenschaften inbegriffen: Physik und Chemie, Umweltwissenschaften, Ingenieurwesen, Biologie und Biochemie. Und genau deswegen liegen auch viele Chancen in der Erforschung von ganz neuartigen Methoden der Farbgebung und des Färbens.